Der BUND Renchtal verliert mit Christoph Münch einen langjährigen Freund und engagierten Kämpfer für die Natur.
Als Christoph Münch nach Oberkirch kam, brüteten auf der Gemarkung noch Kiebitze, Feldlerchen, Grauammern, Brachvögel. Im Frühjahr blühten ausgedehnte Orchideenwiesen. So hat er zurückblickend berichtet. Aber er war kein Nostalgiker. Sein Blick richtete sich nach vorne. Und das bedeutete kämpferischen Einsatz für Natur und Umwelt.
Ja, er war bisweilen unbequem. Doch an ihm mit seinen profunden Kenntnissen sowohl der belebten Umwelt als auch gesetzlicher Bestimmungen kam so schnell keiner vorbei. Von Jugend an hatte er sich autodidaktisch umfangreiches Wissen angeeignet. In der Vogelwelt kannte er sich genauso gut aus wie bei Libellen und Wildbienen; nicht zu vergessen seine botanischen Kenntnisse. Und Naturschutz hörte für ihn nicht an der Wasseroberfläche auf.
Das, was er wusste, hat er gerne vermittelt. Es war jedes Mal bereichernd, ihm bei Exkursionen zuzuhören und seine Begeisterung zu spüren. Der Funke ist selbst auf junge Menschen in seiner Umgebung übergesprungen, die den Naturschutz später beruflich integriert haben. Auch in Fachkreisen waren seine Orts- und Sachkunde geschätzt und gefragt. Christoph Münch hat sich in verschiedenen Umweltorganisationen eingebracht, unter anderem im NABU und in der Fachschaft für Ornithologie Südlicher Oberrhein. Er war 1985 Gründungsmitglied des BUND Renchtal, den er sehr aktiv unterstützt hat. Seine Stimme im Beirat für Natur- und Umweltschutz der Stadt Oberkirch hatte Gewicht. Das gefiel nicht jedem. Aber Christoph Münch wäre nicht „der Münch“ gewesen, der sich nicht unerschrocken jeglichem Gegenwind entgegensetzt hätte, konsequent, beharrlich, klar im Ton.
Seine Aktivitäten beschränkten sich aber nicht auf Stellungnahmen, Leserbriefe und Auseinandersetzungen mit Behörden. Sein Lebenselixier war bis zuletzt, draußen zu sein. Immer war zu spüren, welche Freude er an der Natur hatte. Und jede noch so kleine Ökozelle war es ihm wert, sich dafür einzusetzen und dabei die praktische Arbeit der Pflege zu übernehmen. Besonders die „Untere Steini“, eine kleine Naturoase auf einer ehemaligen Deponiefläche, hatte es ihm angetan. Ihre Ausweisung als städtische Ökozelle ging auf seine Initiative zurück. Lange Zeit gab es kaum einen Tag, an dem er dort nicht anzutreffen war. Auf der Basis geltenden Rechts hat sich Christoph Münch – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – für die Belange des Arten- und Biotopschutzes eingesetzt. Es ist müßig, im Detail auf seine Verdienste einzugehen. Sein Einsatz ist für uns aber gerade in Zeiten von Klimawandel und Biodiversitätskrise Motivation und Ansporn, im Engagement für Natur- und Umweltschutz nicht nachzulassen, auch wenn Erfolge durchaus nicht garantiert sind.
Bleibt zu danken für die vielen Jahre freundschaftlicher und kollegialer Zusammenarbeit, für Unterstützung und Beratung. Danke, Christoph Münch!
Wir werden Christoph Münch in guter Erinnerung behalten. Das klingt vielleicht abgedroschen. Aber alle, die mit ihm in gemeinsamem Interesse zusammengearbeitet haben, können ihn gar nicht vergessen!
Meinrad Heinrich